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Mehr Sicherheit für Kinder – Kinderunfälle vermeiden

 

Einführung

Unfälle sind für Kinder das Gesundheitsrisiko Nummer eins: Sie sind nach dem ersten Lebensjahr die häufigste Todesursache bei Kindern (461 gestorbene Kinder von 0-bis 14 Jahren im Jahr 2003). Unfallbedingte Verletzungen sind der häufigste Anlass für die Aufnahme im Krankenhaus und der zweithäufigste für ärztliche Versorgung. Etwa 1,7 Millionen Kinder erlitten 2003 in Deutschland einen Unfall – eine alarmierend hohe Zahl, die in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Ebenso wenig publik ist, dass es sich dabei nicht in erster Linie um Verkehrsunfälle (ca. 200.000 verunglückte Kinder pro Jahr) handelt, sondern häufig um Unfälle in der Schule (ca. 1 Mio. Kinderunfälle pro Jahr) und um Unfälle zu Hause und in der Freizeit (ca. 540.000 verletzte Kinder pro Jahr). Mindestens 60 % der unfallbedingten Verletzungen sind durch vorbeugende Maßnahmen vermeidbar.

Neben technischen Lösungen und Interventionen im Bereich der Gesetzgebung, z.B. in Bezug auf sicheres und familienfreundliches Bauen, Straßenverkehr oder Produktsicherheit, sind die Aufklärung über Kinderunfälle und deren Vermeidung sowie die Sensibilisierung von allen, die mit Kindern leben oder arbeiten, notwendige Maßnahmen gegen Kinderunfälle.

Hauptakteure der Kinderunfallprävention in Deutschland

In Deutschland gibt es viele unterschiedliche Institutionen und Organisationen, die sich mit Kinderunfällen beschäftigen und Maß­nah­men zur Prävention konzipieren, organisieren und durchführen. Diese Zersplitterung erschwert ein abgestimmtes und schlagkräftiges Vorge­hen. Für die Unfallorte Verkehr, Schule/Kindergarten und Heim- und Freizeit gibt es jeweils eine zuständige Institution, die die Unfallprävention in diesen Bereichen maßgeblich bestimmt oder koordiniert:

Maßnahmen zur Prävention von Verkehrsunfällen für Kinder und Erwachsene werden durch den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), der Dachorganisation aller Institutionen, die sich für Verkehrssicherheit einsetzen, koordiniert. Unter den etwa 270 Mitgliedern ist die Deutsche Verkehrswacht die größte Mitgliedsorganisation. Für die Prävention von Unfällen in Kindergärten und Schulen sind vor allem die Unfallkassen zuständig. Kinder in Tageseinrichtungen, Schüler/innen sowie Studierende sind kostenfrei bei der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung haben u.a. die Aufgabe, mit allen geeigneten Mitteln Unfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten. Für Kinderunfälle in Heim und Freizeit gab es lange Zeit keine primär zustän­dige Instanz oder Institution. Seit Ende 1997 koordiniert die Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit, aus der Ende 2002 der eingetragene Verein „Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder“ hervorgegangen ist, die Maßnahmen der Kinderunfallprä­vention auf Bundesebene. 

Ziele und Aufgaben der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder

Die BAG versteht sich als Dachverband zur Kinderunfallverhütung und als Kooperations­plattform für die im Feld der Kinderunfälle aktiven oder interessierten Institutionen. Ziele des Vereins sind:

  • Förderung des öffentlichen Interesses für Probleme und Aufgaben der Unfallverhü­tung
  • Koordinierung und Vernetzung von Initiativen und Projekten, die sich mit der Verhü­tung von Unfällen bei Kindern und Jugendlichen befassen
  • Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen, Organisationen, Initiativen und Projekten auf nationaler und internationaler Ebene 
  • Durchführung von Aktionen und Maßnahmen zur Verbesserung der Kindersicherheit.

Die BAG ist der einzige bundesweit tätige Verein, der sich primär der Prävention von Kinderunfällen widmet. Die BAG beobachtet die wissenschaftliche Entwicklung in diesem Bereich, analysiert und bewertet empirische Ergebnisse, stellt Daten zusammen und leitet daraus Prioritäten für ihre Konzepte und Handlungen ab. Sie ist bestrebt, ihre Projekte zu evaluieren und methodische Standards weiter zu entwickeln. Durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit informiert die BAG Fachwelt und Endverbraucher über eine Vielzahl unfallrelevanter Themen. Ihre Webseite www.kindersicherheit.de wird monatlich von mehr als 25.000 Besucherinnen und Besuchern zu allen Fragen rund um Kindersicherheit genutzt.

Mitglieder und Arbeitsgruppen der BAG Mehr Sicherheit für Kinder

Die Liste der Vereinsmitglieder spiegelt die breite Palette an Aufgaben und Handlungsmög­lichkeiten in der Kinderunfallprävention wider: ärztliche Gesellschaften und Verbände, Ret­tungsorganisationen, Verkehrserzieher, technische Dienstleister, Organisationen der Gesundheitsförderung und Vereinigungen der Kinderhilfe haben sich zur Verbesserung der Kindersicherheit zusammengeschlossen. Sie alle treten dafür ein, dass das Thema „Kinder­unfälle“ in Deutschland mehr Gewicht erhält.

Zusätzlich zu den Mitgliedern arbeiten auch Institutionen und Experten, die selbst nicht Mitglied im Verein werden (können), in den Arbeitsgruppen der BAG mit. Sie stellen die fach­liche Grundlage bereit, planen Aktionen und Projekte, machen politische Arbeit und verbreiten die Medien der BAG.
Die inhaltlich-fachliche Arbeit der BAG erfolgt derzeit in vier Arbeitsgruppen:

  • Arbeitsgruppe „Strategie und Praxis“
  • Arbeitsgruppe  "Epidemiologie, Evaluation und Gesundheitsberichterstattung"
  • Arbeitsgruppe "Produktsicherheit"
  • Ad hoc Arbeitsgruppe „Nationales Unfallpräventionsprogramm/Empfehlungen“

Der nationale Kindersicherheitstag

Im Jahr 2006 veranstaltete die BAG zum 7. Mal den Kindersicherheitstag - als Event und Me­dienereignis zur Aufklärung der breiten Öffentlichkeit. Der Kindersicherheitstag wird als fester Tag jedes Jahr am 10. Juni auf nationaler und regionaler Ebene realisiert und findet in den Medien eine hohe Resonanz (2005: 22 Mio. Leserkontakte und 19 Mio. Fernsehzuschauer).

Der Kindersicherheitstag 2006 startete mit einer bunten Auftaktveranstaltung und einer Pres­se­konferenz am 8. Juni in Berlin in der Landesvertretung Schleswig-Holstein. Ähnlich wie in den Vorjahren bot die BAG neben dem nationalen Startschuss Anregungen, praktische Tipps und Materialien für regionale Folgeveranstaltungen. Ziel ist es, dass an möglichst vie­len Standorten in Deutschland Aktionen durchgeführt werden – als breite Bewegung mit einem gemeinsamen Thema, aber mit durchaus unterschiedlichen Veranstaltungsformen, örtlichen Besonderheiten und eigenständiger Organisation.

Die zentrale Botschaft des Kindersicherheitstages 2006: Motorische Förderung stärkt nicht nur die Gesundheit von Kindern, sondern kann auch dazu beitragen, ihr Unfallrisiko gezielt zu senken. Der 2005 ausgelobte Grundschul-Wettbewerb „Gehüpft wie gesprungen: Bewegung fördern – Unfälle vermeiden!“ wurde mit einer Ehrung der Preisträger am 8. Juni 2006 abgeschlossen. Die Preisträger-Klassen haben ihre Projekte zum Zusammenhang von Bewegungsförderung und Unfallverhütung öffentlich präsentiert. ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg moderierte die Bühnenshow.

 

MA. 06.08.2006